"Wie Münster... Nur mit Waffen"

Sonntag, Oktober 08, 2006

Besuch in der Heimat (aka "Fronturlaub")




Welch lustiges Wortspiel. *haha* [Irony-mode off] Bin ich doch aus dem friedvollen, freundlichen und sauberen Belfast, in der viele nette Menschen leben die zwar nachts unter Alkoholeinfluß sämtliche gute Erziehung verlierend merkwürdige Züge annehmen können, in die Stadt gefahren, die meine Steuern kassiert, mich rohrpostartig U-Bahnfahren läßt und auch noch sonst allerlei andere Merkwürdigkeiten zu bieten hat. Geneigter Leser, sie liegen richtig, die Autorin war "Im dicken B." Und hat gerade einen Tinitus auf dem linken Ohr. OK, wieder weg. Where was I? Berlin, genau.
Habe ich mich doch am letzten Donnerstag auf den Weg nach Dublin gemacht. Es gibt hier eine ganz tolle Busverbindung von Europa (Bus station und Hotel, welches, als Information für die Freunde des Trivialen, das am meisten bombardierte Hotel des europäischen Kontinents ist, da hält auch nicht das Holiday Inn in Sarajevo mit) nach Dublin Airport bietet. Da hab ich doch ein Ticket käuflich erworben, bin in die Hauptstadt der Republic of Ireland gegondelt und habe versucht, auf dem Flughafen zu übernachten. Das ist dank der charmanten Stimmen, die alle 5 min. "This is a security announcement, please do not leave any of your baggage unattended at any time" durch die Flughafenintercom grunzte, gründlich misslungen. Die Tatsache, daß ich versucht habe, im Sitzen in einem Café mit den miesesten Stühlen aller Zeiten zu schlafen, hat es nicht wirklich besser gemacht. Also: 2h Semi-Schlaf im Sitzen. Danach Einchecken mit vielen "angry Germans" um 4Uhr morgens. Der Kulturschock trifft mich hier zum ersten Mal, als meine Landsleute eine unglaubliche Ignoranz diesem höchsten angelsächsischen Kulturgut gegenüber offenbaren. Und das alles ohne Kaffee. Lustiger wird es dann nur noch beim Einsteigen, als sich tumultartige Szenen beim Boarding abspielen. Ich fahre meine Ellenbogen aus und ergattere mir in der dritten Reihe einen Sitzplatz und gucke wohl endlich wieder so böse, daß sich niemand neben mich setzt. Zwei Stunden Schlaf sind mir vergönnt, als ich die Augen wieder auf mache, lacht die Sonne über den Wolken, meine Beine sind dank der "großzügigen" Bestuhlung bei Ryanair ischämisch und auch sonst komme ich mir vor wie im Viehtransport. Dachte ich bisher, EasyJet sei das Maß aller Dinge vorm Abgrund, so hat mich Ryanair eines besseren belehrt. Nun ja...

In Schönefeld regnet es Bindfäden, die gute Seele Claudia begrüßt mich aber mit einem "A.WIESE"-Schild, was ich sehr lustig finde. Ich mopse mir eine Berliner Morgenpost mit der ich meine von meinem am Vortag unternommen Trip zum US-Konsulat in Belfast noch vollkommen aufgeweichten Schuhe ausstopfe. Ich wähle die Seite mit der mordlustigen Krankenschwester vom CCM und lausche auf dem Weg nach Hause der Pressesprecherin der Charité im Radio. Home sweet home and some things just never change...

In meiner wunderbaren Wohnung angekommen, die neben einer großzügigen Raumaufteilung das beste Bett der Welt und eine eigene Küche ohne chinesische Kochutensilien und entsprechende Gerüche aufweißt und dabei auch noch deutlich günstiger als meine geliebte Belfaster Dachkaschemme ist, nutze ich die Gelegenheit zu Duschen und mir mit Hilfe der modernen Kosmetikindustrie ein Gesicht zu rekonstruieren.

Ich haste zur U-Bahn und fahre zum Hauptbahnhof, dort angekommen oute ich mich als temporäre Stadtfremde: Ich sage "Entschuldigung", "Danke" und "Bitte" und werde damit komisch angeguckt. Der Busfahrer lügt mich auch an, so daß ich 5 min im Regen rumstehe.
Prima.

Am CCM angekommen mache ich die "Grand Tour", beginnend in der Alten Zahnklinik, wo ich die neuen Büros von Charité International Cooperation besuche (Hi to all! :-D).
Das Virchow fand ich schöner, aber ich sehe das vom praktischen her alles ein.
Danach mache ich mich auf den Weg ins Althoff-Haus, bekomme lecker Kaffee, bringe meinen Klatsch und Tratsch ein wenig Up-To-Date und bekomme die Gelegenheit, mich längstens über die gute Ausbildung in Queen's auszulassen. Euphemistische Vergleiche zur Charité sind im Preis inbegriffen...

Nach einem kurzen Sprint zum Bus beleidige ich die Kaffeetante bei CroBag in der Friedrichstr., zumindest guckt sie so als ich ihr mitteile, daß die 1,69€ für eine großen Milchkaffee total billig wären.

Ich mache mich auf den Weg ins Ludwig-Erhard-Haus in der Fasanenstr. zum Bologna-Worksop der HRK und komme pünktlich zur Kaffeepause. Mein Koffeinspiegel geht langsam auf Arbeitsniveau. Leider hält das nicht so lange an, der letzte Redner schafft mich derartig, daß ich an anteriorem Schleudertraume leide. Wobei ich weiß, daß ich damit nicht allein bin.
Das anschließende Buffett endet desaströs mit Rotwein. Viel Rotwein. Thomas wirft am nächsten Tag die Zahl Acht (Gläser, nicht Flaschen) in den Raum. Ich erinnere mich schemenhaft an Unterhaltungen mit den BVMD-SCOME-Bundeskoordinatoren, einer Lästerrunde mit einem nicht näher genannten anästhesiologischen Oberarzt sowie an eine merkwürdige Unterstellung, daß in meiner Dachkemate aufgrund meiner chinesischen Mitbewohner Kakerlaken wohnen würden. Ich bin entsetzt, aber vielleicht gelten für mich andere Maßstäbe, ich parke mein Auto ja auch nicht auf dem Behindertenparkplatz vorm LIDL. *klatsch*

Nach diesen acht-wir-wissen-es-nicht-vieviel-es-wirklich-waren Gläsern Rotwein gab es dann noch einen Locationwechsel ins Café 13 am Savignyplatz.
Den dort bestellten Cocktail hab ich nicht mehr allein geschafft, aber Thomas, Du bist ein echter Freund, wirklich! Der alten Andrea immer bei Alkoholvernichten helfen und so... ;-)
Zum krönenden Abschluß des Abends haben wir uns dann noch für die Einkehr bei einem weltumspannenden amerikanischen Gourmet-Tempel entschieden.
Und zu aller letzt durfte ich dann endlich mal wieder U9 fahren, die Nachts Geisterbahn ohne Aufseher ist. YEAH!

Der Samstag began für mich bizarr muß ich sagen, weil ich nicht wußte, wo ich war. Das lag wahrscheinlich daran, daß mein Schlafzimmer dunkel zu bekommen ist im Gegensatz zur Dachkemate. Immernoch ohne Krabbeltiere.
Die Konferenz hat sich da noch so weiter hingezogen, man hat sich wieder vortrefflich gegenseitig zerlegt, allerdings hatte ich gute Unterhaltung während des Workshops und auch während der anschließenden Podiumsdiskussion, auch dafür ein herzliches Danke.

Danach ein kurzer Abstecher in meinen Lieblingscafétempel in der Luisenstr. Herr S. aus B. mußte ja nochmal ins HH. ;-)
Anschließend Besuch bei der Oma, danach Essen mit den Eltern in Charlottenburg. Als ich auf die Straße trete, laße ich mich zu der Bemerkung "So riecht nur Berlin" hinreißen und überlege seit dem, ob das stimmt. Liebe Großstadtpiratin: Ist das so? Riecht die Stadt irgendwie eigen oder hab ich noch mehr als sonst einen am Dach?

Am Abend dann das große Treffen mit vielen fleißigen Mitlesern im Schwarzen Café. Der Kellner irrtiert mich, da er, und man rufe sich wieder ins Gedächtnis, daß das hier BERLIN ist, freundlich ist. Frau H. aus B. scheint das als Angriff zu werten, auf jeden Fall amüsiere ich mich sehr über ihre Apfelsaftschorlenbestellung und die daraus resultierende Diskussion.
Alles in allem ein sehr gelungener Abend mit einigen interessanten Erleuchtungen und dem Aufdecken grausamer Wahrheiten. Also alles so wie immer. Und der Lehre, nicht ständig den FU-VPN-Client im Hintergrund laufen zu lassen.

Tja, was soll ich sagen? Nun bin ich schon wieder in Belfast. Das merkwürdige daran ist: Ich bin zufrieden damit, und zwar sehr.
Ich habe mich sehr gefreut, in Berlin zu sein und hatte eine gute Zeit und habe mich gefreut (fast) nur Leute zu treffen, die mir wohlgesonnen sind. Aber daß ich morgen wieder ins Royal kann und einem entspannten Tag und einer ruhigen und lehrreichen Woche entgegen sehe, ist noch besser.

Fazit: Ich brauche noch ein bischen Fronturlaub und muß meine Akkus noch ein wenig aufladen. Danach kann's wieder losgehen. ;-)

3 Comments:

At 8:48 AM, Blogger Hasenbrätin said...

Guten Morgen,
und ich wusste schon, warum mich der Kellner mit seiner hinterfotzigen Freundlichkeit so misstrauisch gemacht hat. Er hat mich gedemütigt als ich ihm gesagt habe was isch GENAU will, mich zum Gespött der Leute gemacht...

Und was hat er gebracht? Eine Apfelschorle, die safthaltiger war, als die des lieben Beo!

Der Saubazi, der elende...

Nuff said, aber das mußte mal klargestellt werden...

:o)))

Liebe Grüße Hasenbrätin

 
At 8:51 AM, Blogger Hasenbrätin said...

ICH, es heißt ICH, nicht ISCH.
Ich geh das rasch 100 mal schreiben...

 
At 11:24 AM, Blogger fichtenmoped said...

Du bist zu unentspannt! Berlin ist zu unfreundlich. Und das sage ICH! HA! *hehe*

 

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